Grafik - Leifheit und Envenaro schützen das Klima

Summery

Präambel

Der Verein Envenaro ist Initiator eines Aufforstungsprojektes in Ägypten.
Ziel soll es sein, auf Wüstenböden mit vorgereinigten Abwässern Plantagen aufzuforsten. Es soll der Nachweis geliefert werden, dass es möglich ist, auf ariden Böden, unter der Verwendung von organisch angereichertem Wasser, eine nachhaltige Forstwirtschaft aufzubauen und langfristig wirtschaftlich zu betreiben. Hierfür sind geeignete Methoden unter Zuhilfenahme von technischem Equipment wie Pumpen, künstlichen Bewässerungssystemen wie Tropfen-, Strang- oder Durchflussbewässerung zu wählen. Weiter müssen bestimmte Anbauweisen gefunden werden, welche eine Mischkulturaufzucht ermöglichen, in der Art, dass diese ohne Beeinträchtigung verschiedener Pflanzensorten gedeiht, welche sich durch starkes Wachstum, und hoher Holzqualität, bzw. ein hohes Ernteaufkommen widerspiegelt. Um eine nachhaltige, wirtschaftlich profitable und qualitätsseitig hochwertige Forstwirtschaft zu erreichen, ist es weiter wichtig, dass zuverlässiges Personal geschult wird.

Flora

Die natürliche Vegetation ist wegen der unzureichenden Niederschläge wie auch der intensiven agrarischen Nutzung des Niltals stark eingeschränkt. Die Wüste ist fast völlig vegetationslos, vereinzelt wachsen Tamarisken, Akazien und Dornsträucher, in der Wüstensteppe auch Hartgräser; entlang dem Nilufer gruppieren sich Nilakazien, Dattelpalmen, Maulbeerfeigen und Johannisbrotbäume sowie eingeführte Kasuarinen. Typisch für das Nildelta sind Lotusbäume, Bambusrohr und Schilfgewächse; die im Altertum hier kultivierten Papyrusstauden gibt es kaum noch.

Die Wirtschaft Ägyptens

Die liberale Wirtschaftspolitik unter Präsident Sadat führte in den 70er Jahren zu einer Lockerung der zuvor weitgehend sozialistischen Planwirtschaft Ägyptens und zur Öffnung nach Außen. Zwar ist Ägypten heute nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land Afrikas, doch ist die Landwirtschaft nach wie vor eine wichtige Grundlage der Wirtschaft. Die Haupteinnahmequellen Ägyptens sind der Erlös aus dem Erdölexport und der Benutzung des Sueskanals sowie die Gastarbeiterüberweisungen und der Tourismus.

Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Nutzfläche (rund 3 % der Staatsfläche) ist auf das Niltal und das Nildelta sowie einige Oasen begrenzt. Die Bauern (Fellachen) bewirtschaften das Land mit teilweise jahrtausende alten Anbau- und Bewässerungsmethoden. Dabei hat sich der landwirtschaftliche Anbau von einer Subsistenz- zu einer Exportorientierung gewandelt, so dass relativ betrachtet weniger landestypische Nahrungsmittel wie Hirse, Saubohnen und Kohl geerntet werden. Um die stark wachsende Bevölkerung zu ernähren müssen große Mengen importiert werden – im Jahr 1980 wurden über 5 Mio. Tonnen Weizen aus dem Ausland eingeführt, dies ist dreimal soviel, wie in Ägypten selbst angebaut wurde. Diese Situation wird sich auch nicht so schnell beenden lassen, da Ägypten bis auf die bereits genutzten Flächen für die Landwirtschaft kaum bis gar nicht nutzbar ist, sie sind sehr arid und enthalten kaum Wasserquellen für künstliche Bewässerung. Der Assuan-Staudamm sorgte dafür, dass die Überflutung des Nil fast nicht mehr existiert und somit die Ernten bzw. Ernteflächen kleiner und wegen fehlendem Nilschlamm unfruchtbarer wurden, nun jedoch mehrmals im Jahr abgeerntet werden können. Das traditionell bedeutendste Produkt ist die Baumwolle. Außerdem werden Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Hirse, Kartoffeln, Obst und Gemüse angebaut. Die Viehhaltung ist aus Mangel an Dauergrünland auf Futtermittelanbau angewiesen. Rinder und Büffel dienen als Last- und Arbeitstiere sowie neben Schafen und Ziegen der Fleisch- und Milchgewinnung.

Forstwirtschaft in Ägypten

Dass es in Ägypten fast keine natürlichen Wälder mehr gibt liegt zum einem am Klima, zum anderen an der Verstädterung. Der rasante Anstieg der Bevölkerung erfordert weiterhin eine Konzentration auf die Nahrungsmittelproduktion.

Entwicklungshilfe

Ein sehr großes Problem in Ägypten ist die Entstehung, Kanalisierung und Reinigung des aufkommenden Abwassers. Durch die stark steigende Bevölkerungszahl wurde dieses Problem zunehmend dramatischer, da eine Versickerung in die Böden problematisch für das Grundwasser ist. Durch fehlende Erdschichten (durch diese vorhandenen Erdschichten versickert z. B. in Deutschland das Wasser aus Kläranlagen und wird dabei nachgereinigt) sickert das, wenn auch vorgereinigte Abwasser, in die Grundwasserschicht und belastet deren Qualität wesentlich.
Ende der 80er Jahren wurden seitens der US-AID verschiedene Projekte realisiert. Schwerpunkt hierbei ist in vielen Projekten die Installation von Abwassersystemen sowie die Reinigung kommunaler Abwässer. Durch diese Projekte wurde bis heute erreicht, dass städtische Wohngebiete mit bis zu 70% an ein öffentliches Abwassersystem angeschlossen wurden. In ländlichen Gebieten liegt die Entsorgungsrate in Teilen bei unter 30%, in ganz außen gelegenen Gebieten ist sogar noch gar kein Abwassersystem vorhanden.
Um die von Feststoffen befreiten und mit Sauerstoff behandelten Abwässer nicht oder zumindest nicht vollständig in die Böden leiten zu müssen, wurden riesige Auffangbecken angelegt. In diesen sollen die gereinigten Abwässer verdunsten. Aber auch dass ist nur bedingt möglich, da durch die zunehmende Erschließung und Installation der Kanalisation die künstlichen Staubecken bei weitem nicht mehr ausreichen und deren weiterer Ausbau unwirtschaftlich und unsinnig ist.

Aufforstung in Ägypten

Mitte der 90er Jahre wurde darüber nachgedacht, um diese Staubecken herum eine Flora zu schaffen, welche mit den überlaufenden Abwässern aus den Becken gespeist werden sollte.
So entstand in Luxor eine Plantage von etwa 200 Hektar. In diese konnte man große Mengen des gereinigten Abwassers leiten und hatte somit innerhalb weniger Jahre eine vorübergehende Lösung. Es zeigt sich heute jedoch, dass es einiges an Technologie und Erfahrungsarbeiten benötigt, um das Wasser vor der Bewässerung nochmals zu behandeln. Auch ist die Installation eines geschlossenen Bewässerungssystems notwendig, um Überwässerungen der Pflanzen zu vermeiden. Das eigentliche Ziel muss daher lauten, zusammen mit Politik, Wissenschaft und Forschung sowie der Wirtschaft Modelle zu installieren, welche nachhaltig wirtschaftlich tragbar und qualitativ hochwertig sind.

Dabei sind einige wesentliche Faktoren zu berücksichtigen. So sollen im Forstbereich Mischkulturen entstehen soweit dies wirtschaftlich vertretbar ist. Die Anpflanzung von Energiepflanzen oder von Biomasse, welche in nach gelagerten Prozessen zu pflanzlichen Energiestoffen weiterverarbeitet werden können, ist für diese Art der Aufforstung geradezu ideal. So werden immer dringender benötigte nachwachsende Rohstoffe produziert, ohne in andere Kreisläufe oder Ressourcen einzugreifen.
In Deutschland müsste man wertvolle Produktionsfläche für den Lebensmittelanbau belegen und wertvolles Wasser in Trinkwasserqualität verschwenden, um das gleiche Ergebnis zu erzielen.

Anbauarten

Im Forstbereich werden die bevorzugten Pflanzenarten Acacia (Acacia nilotica and Acacia saligna), Casuarina (Casuarina equisetifolia), Cupressus (Cupressus sempervirens), Eucalyptus (Eucalyptus camaldulensis), African Mahogany (Khaya senegalensis), Neem (Azadirachta indica) und Pinus (Pinus pinea) sein.
Diese sind bereits erprobt, so dass man grundsätzlich aussagen kann, dass die Aufforstung erfolgreich sein wird.
Bei den Energiepflanzen werden Jatropha (Jatropha curcas), Jojoba (Simmondsia chinensis)  und Zuckerrohr (Saccharum officinarum) angebaut. Auch bei diesen Arten bestehen schon hinreichend Erfahrungen über das erfolgreiche Wachstum der Pflanzen auf ariden Böden.

Es sollen systematische, wissenschaftlich fundierte und in allen Stadien dokumentierbare sowie auf größere Flächen übertragbare Versuchsreihen angelegt werden.
Die wesentlichen Inhalte hierbei sollen sein:

1. Art der künstlichen Bewässerung
In der Plantage wird es unterschiedliche Arten von Pflanzen geben, bei welchen die beste Art der Bewässerung zu finden ist.

2. Abstand zwischen den Baumreihen
Aufgrund des Wachstums sowie der folgenden Ernten ist auf optimale Abstände zwischen den Pflanzenarten zu achten. Dies ist zum einen abhängig von den Baumsorten, zum anderen auch von den Maschinen, mit welchen künftig die Ernte eingebracht werden kann.

3. Vergleich Saat und Pflanzung
Es gilt zu erproben, wo die Vor- und Nachteile bei der Anpflanzung verschiedener Arten von Saatgut und Setzlingen liegen.

4. Auswirkung des Wachstums der Pflanzen durch die Bewässerung mit vor gereinigtem Abwasser
Durch die Bewässerung mit vor gereinigten Abwässern gilt es in einer Langzeitbetrachtung zu dokumentieren, inwieweit der langfristige Einsatz dieses Wassers eine Auswirkung auf den Boden und die Zusammensetzung des Endproduktes hat.

5. Art, Anwendung, Dauer und Menge der Bewässerung
Die Art und Menge sowie die Zyklen der Bewässerung gilt es in verschiedenen Serien zu dokumentieren, so dass anhand einer Langzeitdokumentation Erfahrungen gesammelt werden können.

6. Verträglichkeit der verschiedenen benachbarten Pflanzen
Es ist zu untersuchen, ob Beeinträchtigungen/Abneigungen verschiedener Pflanzen untereinander bestehen, welche sich durch ein schlechteres Wachstum bemerkbar machen könnten.

7. Auswirkung verschiedener Düngerarten bezogen auf das Wachstum der Pflanze
Es gilt herauszufinden, welche Pflanzen welchen Dünger benötigen, bzw. ob das ausschließliche Bewässern mit vor gereinigten Abwässern genügt, um das Wachstum der Pflanzen optimal zu fördern.

8. Zucht der Pflanzenarten/Veredelung
In Nurseries ist eine Weiterzüchtung der Pflanzen durchzuführen, um damit Wachstum, Ertrag, mögliche Resistenzen etc. zu fördern bzw. zu reduzieren.

9. Anbauvereinfachungen/Eruierung möglicher Techniken
Durch die Aufforstung von großen Flächen ist es wichtig, geeignete Verfahren, Gerätschaften bzw. neue Technologien zu entwickeln und zum Einsatz zu bringen, um die Arbeit einfacher und effizienter zu gestalten.

10.  Pflege der Pflanzen
Es gilt aus der Praxis heraus zu erfahren, welche Pflegemaßnahmen notwendig sind, um Qualität und Wachstum der Pflanzen unter Berücksichtigung des Ertrages zu fördern.

11.  Erntevereinfachungen mit möglichen Maschinen
Wie in der Aussaat und Pflege gilt es auch gerade bei der Ernteeinbringung ideales Gerät und neue Maschinen zu erproben, welche die Arbeit wiederum einfacher und effizienter werden lassen.

12.  Pressung sowie Steigerung des Öl- und Fruchtanteils
Ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt ist es, eine optimale Öl- und Fruchtausbeute aus den Pflanzen zu erhalten, daher sind Pressen zu konstruieren und zu testen, welche dies optimal erfüllen.